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Der Stanley Cup   Der Spielmodus   Das Transfersystem der NHL   NHL Game 2003/04

Der Stanley Cup

Der Anfang

Die Geschichte des Stanley Cup beginnt am 18. März 1892, bei einem Abendessen der «Ottawa Amateur Athletic Association». Lord Kilcoursie, ein Spieler des «Ottawa Rebels» Hockey Klubs, übergab im Auftrag von Lord Stanley, dem Earl of Preston und Generalgouverneur Kanadas, folgende Nachricht:

«Ich habe schon öfters darüber nachgedacht, dass es wohl eine gute Sache wäre, wenn es jedes Jahr einen Pokal für das beste Eishockeyteam Kanadas gäbe.»

«Momentan gibt es kein äusserliches Symbol des Sieges für den Gewinner der Meisterschaft und ich habe in Erwägung gezogen etwas Passendes zu vergeben, ebenso ist es wichtig, dass das Spiel fair und mit festgelegten Regeln gespielt wird. Ich bin bereit einen Pokal zu stiften, welcher jedes Jahr an die Siegermannschaft übergeben wird.»

Der Stanley Cup hies zunächst Dominion Hockey Challenge Cup. Kurz danach präsentierte Lord Stanley einen silbernen Pokal, 19cm hoch und mit einem Durchmesser von 29cm. Der Pokal kostete 10 Guineas, was heute ungefähr 50 $ entspricht. Er übergab treuhänderisch diese Trophäe an Sheriff John Sweetland und Philip D. Ross, beide ehrenvolle Bürger Ottawas, und verfügte folgende Regeln für den jährlichen Wettbewerb:

Der Sieger muss den Pokal in einwandfreiem Zustand zurückgeben, notfalls über die Treuhänder, damit er der Mannschaft, welche ihn gewonnen hat, überreicht werden kann.

Von jeder Siegermannschaft müssen Name des Klubs, Spieler und Siegesjahr auf einem, am Pokal befestigten, silbernen Ring eingraviert werden. Der Pokal ist ein Wanderpokal und gehört keiner Mannschaft, unabhängig davon wie oft er von ihr gewonnen wird. Sollte es Streitigkeiten über den Gewinner geben, haben die Treuhänder jederzeit die volle Verfügungsbefugnis über den Pokal. Scheidet ein Treuhänder aus, muss sofort ein neuer ernannt werden.

Als erste Mannschaft gewann der «Montreal Amateur Athletic Association (AAA) hockey club», als Meister der Amateurhockeyvereinigung Kanadas, den Pokal im Jahre 1893.

Lord Stanley war nie Augenzeuge eines Meisterschaftsspiels, er konnte auch nie bei der Vergabe seines Pokals dabei sein, da er während der Saison 1893, Kanada verliess und in sein Mutterland England zurückkehrte.

Der Stanley Cup wurde schliesslich zu einer der grössten und prestigeträchtigsten Trophäen, die es in der Welt des Sports zu gewinnen gibt! [top]

Die ersten Jahre

Seit über einem Jahrhundert beherrscht der Stanley Cup als Symbol der sportlichen Überlegenheit die Welt des Eishockeys. Er hatte bescheidene Anfänge wurde aber im Laufe der Zeit angereichert mit Legenden. Er wurde zum Kral des Eishockeysports.

Die Worte «Stanley Cup» wecken bei den Fans in ganz Nordamerika besondere Emotionen, ein erhöhter Herzschlag, das Gefühl der Erwartung, die Aussicht auf Spannung.

Gibt es in der Welt des Sports etwas spannenderes als den Sudden Death im 7. Stanley Cup Finale? Die grenzenlose Freude über den Sieg der eigenen Mannschaft? Oder die Schwermut die einen überfällt, wenn man in der Overtime verloren hat? Für nordamerikanische Eishockeyfans gibt es nichts Vergleichbares!

Für die Spieler bedeutet «Stanley Cup» Hochspannung, Angst, Druck. Die Sieger werden gefeiert, haben alles erreicht. Die Verlierer fallen in ein tiefes Loch, stehen mit leeren Händen da.

Viele Spieler haben Zeit ihres Lebens, mit dem Streben, ihren Namen auf einem der vielen silbernen Bänder die die Trophäe umgeben, eingraviert zu sehen, verbracht.

Der Stanley Cup ist wie ein Buch voller legendärer Geschichten... und neue Kapitel, gute und böse, werden jedes Jahr hinzugeschrieben.

Aber er wurde immer, so banal es klingt, dem besten Eishockeyteam eines Jahres überreicht.

Der Stanley Cup ist die älteste nordamerikanische Sporttrophäe nach der Profisportler streben, 7 Jahre älter als der berühmte Davis Cup beim Tennis. Nicht der beste Promoter der Welt könnte es heutzutage schaffen, dass ein Pokal für 10 Pfund Sterling eine solche Bedeutung erlangt.

Am 22. März 1894 fand das erste Finale um den Stanley Cup statt. Vier Mannschaften, Montreal AAA, Ottawa, Quebec und die Montreal Victorias hatten sich für die Endspiele qualifiziert. Nachdem sich Quebec wegen Unstimmigkeiten über den Spielplan vom Spielbetrieb zurückzog blieben nur noch drei Teams übrig. Ottawa zog kampflos ins Finale. Die Montreal AAA gewannen ihr Spiel gegen die Victorias mit 3 - 2 und schliesslich das Endspiel gegen Ottawa 3 - 1.

«Gestern abend wurde die Eishockeymeisterschaft entschieden und in der Geschichte des Eishockeys gab es noch nie soviele Zuschauer und Enthusiasmus. 5000 Personen waren beim Spiel anwesend. Sie feuerten die beiden Mannschaften mit Rufen, blechernen Tuten und viel Geschrei an. Das Spiel wurde von Montreal 3 - 1 gewonnen. Die Schiedsrichter haben vieles übersehen. Das Eis war ziemlich gut. »
(kanadische Presse 1894)

Von nun an wurde Eishockey in Kanada immer populärer in der darauffolgenden Saison stellte annähernd jede kanadische Stadt ein Eishockeyteam auf. Der ursprünglich nur in den Provinzen Ontario und Quebec gespielte Sport breitete sich in den Westen Kanadas aus.

Am 14. Februar 1896 standen sich die Montreal Victorias und Winnipeg Victorias im Endspiel gegenüber. Winnipeg gewann schliesslich mit 2 - 0 - eine Blamage für die aus dem Osten Kanadas stammenden Montreal Victorias. Ein Jahr später fand das Rematch in Winnipeg statt. Die Stadt war voller Euphorie, für Eintrittskarten wurden auf dem Schwarzmarkt bis zu $12 verlangt und man sprach vom grössten sportlichen Ereignis in der Geschichte Winnipegs.

In der Fachpresse galten die Montreal Victorias als Favoriten, da sie: «...die jüngere Mannschaft haben, beweglicher sind und ihre Spieler von den Frauen verehrt werden». Der Journalist wusste wovon er sprach, denn die Mannen aus Montreal gewannen das Spiel mit 6 - 5 obwohl sie zur Halbzeit(!) mit 0 - 2 im Rückstand lagen. Ernie McLea schoss den Siegtreffer und der Stanley Cup ging wieder zurück in den Osten.

Eishockey wurde zu dieser Zeit noch mit 7 Spielern pro Mannschaft gespielt. Der zusätzliche Spieler wurde «Rover» (Herumstreicher) genannt. Er hatte keine feste Position und musste dort aushelfen wo Not am Mann war. Ein berühmter Rover war Lester Patrick, der nach seiner aktiven Laufbahn der erste Manager und Trainer der New York Rangers wurde.

Es gab auch sonst noch einige Kleinigkeiten, die das Spiel vom heutigen Eishockey unterschieden. Die Tore bestanden aus zwei Pfosten ohne Netz, der Torrichter befand sich ungeschützt dahinter, nahe am Spielgeschehen und war eine gute Zielscheibe.

Aus heutiger Sicht kann man die Ausstattung der Stadien und Spieler als sehr rustikal bezeichnen. Die Eisflächen hatten keine Banden, die Spieler wenig Schutzausrüstung und so hatte ein Body Check oft schmerzhafte Folgen für Spieler und Zuschauer. Häufiger landeten die Spieler in den Zuschauerrängen wovon sie wieder aufs Eis zurückgeschubst wurden. Landete ein Spieler bei gegnerischen Fans bezog er des öfteren erst einmal Prügel, danach «kam» er zurück auf das Spielfeld. Eine sehr eigene Sichtweise von «Fairplay».

Der Andrang der Fans war so gross, dass die Eintrittstore der Stadien häufig überrannt wurden. Bei Auswärtsspielen wurden die Büros der heimischen Zeitungsverleger von Leuten belagert, welche den aktuellen Spielstand ihrer Mannschaft erfahren wollten. Besonders gross war das Interesse in Toronto im Jahre 1902, dort wurde mit einer Sirene den Fans mitgeteilt, ob ihr Team, die Toronto Wellingtons, gewonnen (2 lange Töne) oder verloren (3 Töne) hatten.

Stanley Cup Spiele wurden zum grössten Ereignis der damaligen Zeit und es war eine Ehre ein entscheidendes Spiel live verfolgen zu können. [top]

Die Entwicklung

Eine der erfolgreichsten Mannschaften in den frühen Jahren des Stanley Cups waren die Ottawa Silver Sevens, welche von 1902-05 dreimal hintereinander, wie 5 Jahre zuvor die Montreal Victorias, den Stanley Cup gewinnen konnten. Neun Wettkämpfe, zur Mitte und am Ende der Saison, wurden gegen die legendären Silver Sevens ausgetragen. Alle Gegner konnten sie besiegen. Keiner hätte einen Sieg so verdient gehabt, wie die Mannschaft aus Dawson City, gelegen im Yukon Territory, die im Jahre 1905 antraten den Cup zu erobern. Die Spieler waren so voller Enthusiasmus, dass sie bereit waren die 4400 Meilen lange Reise teilweise aus eigener Tasche zu bezahlen, verbunden mit der Hoffnung, die Kosten von $3000 aus den Zuschauereinnahmen zurückzubekommen. Die Fahrt der Jungs wurde zu einer Legende der Stanley Cup Geschichte.

Colonel Joe Boyle, ein Goldsucher, arrangierte die Reise der ehrgeizigen Spieler aus dem Klondike. Dabei stiess er auf heute kaum vorstellbare Probleme. Die Mannschaft musste die ersten Tage auf Hundeschlitten zurücklegen, sie schafften dabei eine tägliche Wegstrecke von ca. 40 Meilen. Bei Tagestemperaturen um die -30 Grad Celsius hatten einige Spieler, als sie endlich die Westküste Kanadas erreichten, Erfrierungen an ihren Füssen. Unglücklicherweise verpassten sie auch noch das Schiff, das sie nach Vancouver bringen sollte. So mussten Sie weitere 5 Tage, bis zur Ankunft des nächsten Bootes warten. Als sie dann endlich in Vancouver angekommen waren, hatten sie noch eine lange Zugfahrt Richtung Ottawa vor sich. Die Anreise dauerte insgesamt 23 Tage und sie erreichten die kanadische Hauptstadt einen Tag vor dem ersten Stanley Cup Finale gegen die Ottawa Silber Sevens. Dies war die längste und schwierigste Anfahrt einer Mannschaft zu einem Stanley Cup Finale.

Trotz aller Euphorie der Mannschaft waren sie dennoch kein Gegner für die Ottawa Silver Sevens. Das Team aus dem Nordwesten Kanadas verlor das erste Spiel mit 2-9 und unterlag in der zweiten und entscheidenden Begegnung mit sage und schreibe 3-22. In diesem Spiel schoss Ottawas Frank McGee 14 Tore, 8 davon innerhalb von 8 Minuten und 20 Sekunden.

In der Folgezeit dominierten die Mannschaften aus Ontario und Quebec beim Kampf um den Stanley Cup, obwohl auch Mannschaften von der Westküste und aus den Prärien Kanadas kommend, um den Cup spielten. Meisstens verloren sie aber nicht nur die Spiele sondern auch viel Geld, da die Anreise häufig mit hohen Kosten verbunden war.

Die Siegermannschaften des Stanley Cups gingen des öfteren nicht gerade sehr sorgfältig mit ihrer Trophäe um. Während der dreijährigen Regentschaft der Ottawa Silver Sevens befand er sich z.B. über Nacht auf dem Rideau Canal, einer Wasserstrasse in der Nähe von Ottawa. Bei der Mannschaftssiegesfeier kam ein Spieler der Silver Sevens, nachdem er einige Schluck Champagner aus dem Cup getrunken hatte, auf die Idee den Pokal Richtung Kanal zu kicken. Am nächsten Morgen als die Spieler wieder zu Sinnen kamen, erinnerten sie sich und begannen damit, ihr Prunkstück zu suchen. Zum Glück aller Beteiligten war der Rideau Canal zugefroren und sie konnten den Pokal, leicht eingedellt, wieder finden.

Nur einmal in der Geschichte des Stanley Cups gab es keinen Gewinner. Dies war im Jahre 1919. Die NHL war schon gegründet und die Montreal Canadiens waren Meister. Es wurde bestimmt, dass gegen den Champion der Pacific Coast Hockey League (PCHL), den Seattle Metropolitans, das Stanley Cup Finale auszutragen ist. Die Canadiens machten sich auf den langen Weg zur Westküste, während der Reise absolvierten sie noch einige Vorbereitungsspiele. Schliesslich begannen die Finalspiele am 19. März. Zu dieser Zeit wurde im Westen noch nach den alten Regeln, Hauptunterschied war der sechste Feldspieler (siehe Teil 2 der Serie), im Osten bereits mit 5 Feldspielern, Eishockey gespielt.

Das erste und dritte Aufeinandertreffen gewann Seattle, gespielt wurde nach «western rules». Das zweite Finalspiel, nach «eastern rules», konnte Montreal mit 4-2 für sich entscheiden. In der vierten Begegnung gab es ein torloses Unentschieden. Als schliesslich Montreal das fünfte Spiel wieder gewann wurde für den 1. April ein weiteres Finale angesetzt. Unglüclicherweise brach kurz vorher unter den Spielern der Montreal Canadiens eine Grippeepidemie aus. Aus diesem Grunde engagierten die Canadiens einige Spieler aus dem nahegelegenen Victoria. Die Seattle Metropolitains waren damit nicht einverstanden und weigerten sich zum Endspiel anzutreten. Dies war das erste Mal, dass es keinen Stanley Cup Gewinner gab.

Städte wie Renfrew, Haileybury und Cobalt, alle im Norden Ontarios gelegen, standen im Wettkampf um den Stanley Cup gegen die bekannteren Klubs aus Montreal und Ottawa in der «National Hockey Association», diese erste Eishockeyprofiliga war der Vorgänger der im Jahre 1917 gegründeten «National Hockey League». Die ersten Franchisenehmer der NHL waren die Montreal Canadiens, Montreal Wanderers, Ottawa Senators, Quebec Bulldogs and Toronto Arenas. Obwohl die Quebec Bulldogs eine Lizenz bekamen waren sie aus finanziellen Gründen nicht in der Lage am Spielbetrieb teilzunehmen (eine Analogie zur Geschichte der DEL?). Die Teams spielten eine Runde mit 22 Spielen und die Toronto Arenas gewannen, als erste Mannschaft der NHL, den Stanley Cup.

Dies war der Beginn einer neuen Eishockeyära in Nordamerika. Die Zahl der in der NHL spielenden Teams wurde und wird ständig grösser, von 6 Teams in 1926 bis hin zu 30 Mannschaften im Jahre 2001.

Vielleicht beginnt sogar für den Stanley Cup in naher Zukunft wieder ein neues Zeitalter, wenn nämlich in Wettkämpfen, mit internationaler Beteiligung, um ihn gespielt wird - nicht schlecht für einen alten «Kübel» zum Preis von $50. [top]

von Bernd Rösch
CONTENTS
Der Anfang
Die ersten Jahre
Die Entwicklung

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